
Ein Gutachten kann fachlich korrekt sein – und trotzdem scheitern. Nicht vor Gericht, nicht beim Auftraggeber, sondern bei der Akzeptanz. Denn was nicht verstanden wird, überzeugt nicht. Und was nicht überzeugt, wird hinterfragt. Der DGuSV gibt Tipps, wie Sie mit klarer Sprache von vornherein stärker überzeugen!
Gerade im Gutachter- und Sachverständigenwesen zeigt sich immer deutlicher: Klare Sprache ist kein Stilmittel, sondern ein Qualitätsmerkmal. Sie entscheidet darüber, ob ein Gutachten als hilfreich, nachvollziehbar und belastbar wahrgenommen wird – oder als Angriffsfläche.
Fachlich richtig heißt nicht automatisch verständlich
Sachverständige schreiben häufig für mehrere Zielgruppen zugleich: Gerichte, Auftraggeber, Versicherer, Anwälte oder technische Laien. Wer dabei ausschließlich aus der eigenen Fachlogik heraus formuliert, verliert schnell Leserinnen und Leser.
Typische Probleme:
- lange, verschachtelte Sätze,
- unklare Fachbegriffe ohne Erläuterung,
- implizite Schlussfolgerungen statt klarer Begründungen,
- fehlende Trennung zwischen Feststellung und Bewertung.
Das Ergebnis: Rückfragen, Missverständnisse – und im schlimmsten Fall Zweifel an der Aussagekraft.
Struktur schlägt Stil
Verständlichkeit beginnt nicht beim Wort, sondern bei der Struktur. Ein klar gegliedertes Gutachten führt den Leser Schritt für Schritt durch die Argumentation. Bewährt hat sich eine klare Trennung von:
- Befund: Was wurde festgestellt?
- Bewertung: Wie ist das fachlich einzuordnen?
- Schlussfolgerung/Empfehlung: Was folgt daraus – sofern beauftragt?
Diese Trennung hilft nicht nur juristisch, sondern macht Texte automatisch lesbarer. Wer weiß, in welchem Abschnitt er sich befindet, versteht schneller, was gesichert ist – und was nicht.
Sprache, die trägt – nicht beeindruckt
Viele Gutachten verlieren an Klarheit, weil sie beeindrucken wollen. Doch Fachsprache darf niemals Selbstzweck sein. Entscheidend ist, dass Aussagen belegt, eingeordnet und abgegrenzt sind.
Tragfähige Formulierungen sind zum Beispiel:
- „Gesichert ist … auf Grundlage von …“
- „Wahrscheinlich ist …, da …“
- „Nicht geprüft werden konnte … aufgrund von …“
Solche Abstufungen wirken nicht schwach – sie zeigen methodische Sorgfalt und Professionalität.
Für den Leser mitdenken – Wissen nicht voraussetzen
Ein häufiger Fehler: Sachverständige setzen Wissen voraus, das nicht bei allen Lesern vorhanden ist. Begriffe, Abkürzungen oder Normverweise sollten dort kurz erläutert werden, wo sie erstmals auftauchen.
Auch hilfreich:
- kurze Absätze,
- klare Überschriften,
- Zusammenfassungen bei komplexen Sachverhalten,
- Visualisierungen oder Tabellen, wo sinnvoll.
Denn: Ein verständliches Gutachten wird schneller gelesen – und seltener angegriffen.
Verständlichkeit reduziert Haftungsrisiken
Unklare Formulierungen sind nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern ein Haftungsrisiko. Aussagen, die unterschiedlich interpretiert werden können, öffnen Raum für Streit.
Wer sauber formuliert,
- grenzt seinen Prüfauftrag klar ab,
- benennt Annahmen und Grenzen,
- und dokumentiert nachvollziehbar,
schützt nicht nur den Auftraggeber, sondern auch sich selbst.
Qualität braucht Standards
Gerade hier zeigt sich der Wert gemeinsamer Qualitätsmaßstäbe. Der Deutsche Gutachter und Sachverständigen Verband steht für genau diese Standards: klare Methodik, transparente Dokumentation und eine Sprache, die Fachlichkeit und Verständlichkeit verbindet.
Einheitliche Leitlinien helfen Sachverständigen, ihre Arbeit konsistent, professionell und anschlussfähig zu gestalten – unabhängig vom Fachgebiet.
Fazit: Klarheit überzeugt
Ein gutes Gutachten muss nicht kompliziert klingen. Es muss nachvollziehbar, begründet und lesbar sein. Klare Sprache schafft Vertrauen, reduziert Rückfragen und erhöht die Akzeptanz bei allen Beteiligten.
Oder anders gesagt:
Was verstanden wird, wird akzeptiert. Und was akzeptiert wird, hat Bestand.
Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!
