Baugutachter stehen 2026 vor einem Paradigmenwechsel: Energetische Effizienz, Sanierungspflichten und EU-Vorgaben prägen den Markt. Dieser Artikel zeigt, wie Sie als Gutachter mit Wissen, digitalen Tools und strategischer Positionierung zukünftig erfolgreich sind – inklusive Chancen durch Zertifizierungen, neue Leistungsschwerpunkte und Vorteile einer DGuSV-Mitgliedschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung — Baugutachter 2026: Warum es jetzt spannend wird
Im Jahr 2026 steht für Baugutachter, Bausachverständige und Energieberater ein tiefgreifender Wandel an. Was sich in den letzten Jahren bereits angekündigt hat, tritt jetzt in eine neue Phase: Die Kombination aus verschärften Sanierungspflichten, weitreichenden Energieeffizienzanforderungen und der nationalen Umsetzung europäischer Vorgaben schafft nicht nur mehr Arbeit, sondern stellt auch neue Herausforderungen an Fachwissen, Bewertungskompetenz und Beratungspraxis.
Die europäische Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) – auf Deutsch die EU – Gebäuderichtlinie – muss spätestens bis Mai 2026 in deutsches Recht überführt werden. Sie bildet einen rechtlichen Rahmen, der die Energieeffizienz von Gebäuden deutlich anhebt und damit den Bedarf an qualifizierten Gutachtern in den kommenden Jahren kräftig steigern wird.
[sehen Sie hierzu auch: Immowelt: EU-Gebäuderichtlinie nimmt Eigentümer 2026 in die Pflicht]
Für Sie als Baugutachter bedeutet das: Nicht nur klassische Zustands- oder Schadensbewertungen gewinnen an Bedeutung, sondern vor allem energiebezogene Analysen, Modernisierungskonzepte, Effizienznachweise und strategische Sanierungsfahrpläne.
Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen, zeigt, worauf Sie sich einstellen sollten – und wie Sie die Chancen der kommenden Jahre optimal nutzen.
Im Folgenden erfahren Sie,
- welche rechtlichen und technischen Vorgaben 2026 gelten,
- welche neuen Aufgaben auf Sie zukommen,
- welche Kompetenzen künftig besonders gefragt sind,
- und welche strategischen Chancen sich für Baugutachter ergeben.
2. Das rechtliche Umfeld 2026 — Sanierungspflichten & Energieeffizienz im Überblick
Im Jahr 2026 stehen Baugutachter vor einem der größten rechtlichen Umbrüche der letzten Jahre: Die EU-Energy Performance of Buildings Directive (EPBD), also die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie, muss bis Ende Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Damit wird die Energieeffizienz von Gebäuden in Deutschland auf eine neue gesetzliche Basis gestellt – mit weitreichenden Konsequenzen für Eigentümer, Planer, Energieberater und insbesondere für Baugutachter.
Warum gerade 2026 so entscheidend ist
Die EPBD trat im Mai 2024 in Kraft und verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, die neuen Vorgaben bis Mai 2026 gesetzlich umzusetzen. Das bedeutet für Deutschland: Die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Energieeffizienzstandards, Sanierungsziele, Energieausweise und energetische Modernisierungen sind spätestens in diesem Jahr auf nationaler Ebene zu verankern.
Das Grundprinzip ist dabei klar: Energetische Effizienz und Klimaschutz werden zu zentralen Bewertungskriterien im Bauwesen – mit erheblichen Folgen für die Bau- und Immobilienwirtschaft und damit für die Arbeit von Sachverständigen.
EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) – Kernziele und Inhalte
Die EPBD legt verbindliche Ziele und Mindeststandards fest, die in nationales Recht überführt werden müssen:
- Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden und Reduktion von Treibhausgas-Emissionen.
- Einheitliche Energieausweis-Skala von A bis G: Neue harmonisierte Effizienzklassen treten in Kraft, die Energieausweise noch relevanter machen.
- Neubauten müssen künftig noch effizienter geplant und betrieben werden: Der Standard „Nullemissionsgebäude“ (also Gebäude mit nahezu keinen fossilen CO2-Emissionen) wird auf EU-Ebene angestrebt – mit nationaler Umsetzung durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG).
- Sanierungsanforderungen im Bestand: Für ineffiziente Nichtwohngebäude gelten verbindliche Sanierungsziele (z.B. Modernisierung bestimmter Gebäudeteile bis 2030/2033).
Sanierungspflichten entlang der Gesetzeskette
Wichtig ist zu unterscheiden, wie die EU-Ziele auf die nationale Ebene wirken:
- EU-Richtlinie (EPBD): Setzt den Rahmen und die Ziele, die alle Mitgliedstaaten erreichen müssen.
- Nationales Recht – insbesondere das Gebäudeenergiegesetz (GEG): Dieses Gesetz wird in Deutschland angepasst, um die EU-Vorgaben umzusetzen. Bereits jetzt existieren darin energetische Mindeststandards und Austausch- bzw. Sanierungspflichten (z.B. für alte Heizkessel oder ungedämmte Bauteile), und diese werden weiter konkretisiert.
2026 wird also nicht nur ein Stichtag, sondern ein rechtlicher Meilenstein, an dem viele der neuen Regeln zum offensichtlichen Arbeitsfeld für Gutachter werden. Je präziser die Umsetzung in deutsches Recht erfolgt, desto stärker wird der Bedarf an qualifizierten energetischen Analysen, Sanierungsstrategien und rechtlich abgesicherten Gutachten wachsen.
3. Neue Anforderungen für Baugutachter: Energieeffizienznachweise & GEG-Praxis
Mit dem Jahr 2026 erfolgt nicht nur die rechtliche Umsetzung der EU-Energy Performance of Buildings Directive (EPBD), sondern auch eine praktische Verschärfung der Anforderungen an Gebäude- und Energieausweise sowie energetische Nachweise – ein zentrales Betätigungsfeld für Baugutachter und Sachverständige. Gutachter müssen ihr Leistungsportfolio deshalb weiter schärfen, um diesen Anforderungen fachlich und rechtlich sicher gerecht zu werden.
Energieausweis 2026: Teil Ihrer täglichen Arbeit
Ein wichtiger Aspekt der neuen Anforderungen ist der Energieausweis, der künftig noch stärker als Bewertungskriterium gilt. Energieausweise sind Pflicht, wenn ein Gebäude verkauft, vermietet oder verpachtet wird, und sie bilden die Grundlage für viele energetische Bewertungen. Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) dürfen sie nur von qualifizierten und sachkundigen Personen ausgestellt werden – darunter Energieberater, Architekten, Ingenieure und speziell weitergebildete Experten, zu denen auch zahlreiche Baugutachter zählen.
Jede Ausstellung erfordert eine formale Qualifikation – etwa den Nachweis über eine Qualifikationsprüfung Energieberatung oder eine gleichwertige Weiterbildung – und der Ausweis selbst gibt Auskunft über den Energiebedarf oder -verbrauch des Gebäudes.
Praxisbeispiel: Ein Mehrfamilienhaus steht zum Verkauf. Der Energieausweis muss erstellt werden – und hier kommt Ihr Können ins Spiel: Sie wählen zwischen Verbrauchs- und Bedarfswert-Ausweis, ermitteln die Energiekennzahlen rechtskonform und weisen versteckte Probleme wie ineffiziente Heiztechnik oder schlechte Dämmung auf.
Neue Energieeffizienzklassen & digitale Nachweise
Ab 2026 wird der Energieausweis Teil einer harmonisierten EU-Skala von A bis G, die bundesweit gelten soll. Diese Skala ersetzt die bisherige nationale Einteilung (A+ bis H) und ordnet Gebäude nach Effizienz und Treibhausgas-Emissionen ein – von „A“ (Nullemissionsgebäude) bis „G“ (Top 15% des Bestands).
Damit steigt die Bedeutung Ihrer Expertise: Bewertungsfehler können gravierende Folgen haben, etwa Fehleinschätzungen im Kaufpreis oder bei Förderanträgen, die zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen können. Gleichzeitig eröffnen digitale Register und Datenbanken perspektivisch neue Arbeitsfelder für Gutachter, die energetische Datensätze prüfen, ergänzen oder validieren.
Gebäudeenergiegesetz (GEG) als Praxisbasis
Das GEG bleibt der Kern der energetischen Bewertungspraxis, auch wenn die EPBD die Vorgaben weiter verschärft. Das Gesetz definiert technische Mindestanforderungen an Gebäudehüllen, Anlagentechnik und Energienutzung – und legt fest, wie Energiebedarf ermittelt wird. Es bestimmt auch, wann ein Energieausweis erstellt werden muss und welche Qualifikation der Aussteller braucht.
Als Baugutachter müssen Sie deshalb:
- die aktuellen GEG-Regelungen sicher beherrschen,
- wissen, welche Energieausweis-Form (Verbrauchs- vs. Bedarfskennwert) sinnvoll ist,
- komplexe energetische Bewertungsdaten korrekt interpretieren,
- und Ergebnisse verständlich für Auftraggeber dokumentieren.
Diese Anforderungen zeigen: Energieeffizienznachweise sind 2026 kein Nebenschauplatz mehr, sondern ein zentraler Bestandteil hochwertiger Gutachten – sowohl im Verkauf, in der Bewertung als auch in der Sanierungsplanung.
4. Sanierungspflichten im Detail — Auswirkungen auf Gutachten und Bewertung
Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt beim Thema energetische Sanierungspflichten, die für viele Gebäudebesitzer und damit auch für Gutachter relevant werden. Durch die Umsetzung der EU-Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) 2024/1275 bis spätestens Mai 2026 entsteht ein Rahmen verbindlicher Sanierungs- und Effizienzziele, der sich stark auf klassische Bewertungs- und Gutachtertätigkeiten auswirkt.
Was bedeutet „Sanierungspflicht“ 2026 konkret?
Wichtig für Gutachter: Im europäischen Kontext gibt es keine pauschale, einheitliche EU-Zwangssanierungspflicht für alle Gebäude im Bestand. Stattdessen liegt der Fokus auf gezielten Effizienz- und Mindeststandards, die in nationales Recht integriert werden müssen – zum Beispiel über das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Deutschland.
Das bedeutet für Sie als Baugutachter:
- Sanierungsbedarf wird klarer definiert: Effizienzklassen, Mindestanforderungen und Sanierungs-Roadmaps werden in die Bewertungspraxis einfließen.
- Bestandsanalyse wird zentraler Bestandteil vieler Gutachten: Effizienz- und CO2-Kennzahlen dienen als Bewertungsgrundlage.
- Und: konkrete sanierungsbezogene Anforderungen (z.B. MEPS) für Nichtwohngebäude und große Objekte werden ab 2026 voraussichtlich stufenweise relevant.
Unterschiedliche Anforderungen für Gebäudearten
Die EPBD unterscheidet zwischen Gebäudearten:
- Nichtwohngebäude: Es wird erwartet, dass Minimum Energy Performance Standards (MEPS) eingeführt werden, die verbindliche Effizienz-Schwellenwerte festlegen – und das voraussichtlich bereits im nationalen Gesetzgebungsverfahren 2026.
- Wohngebäude: Auf EU-Ebene gibt es aktuell keine generelle Zwangssanierungspflicht für private Wohngebäude – wohl aber das Ziel, den durchschnittlichen Primärenergieverbrauch bis 2030 deutlich zu reduzieren. Die Bundesregierung muss hierfür geeignete nationale Instrumente schaffen.
Das bedeutet: Für Sie als Gutachter gewinnt die Bewertung von Effizienz- und Sanierungsnotwendigkeiten stark an Bedeutung, auch wenn ein Eigentümer nicht zu einer pauschalen Sanierung verpflichtet ist. Die Differenzierung nach Gebäudeart und Effizienz-Zielwerten wird künftig ein zentrales Bewertungsfeld sein.
Konkretisierung im Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2026
Gleichzeitig zum EPBD-Umsetzungsprozess arbeitet die Bundesregierung an einer Überarbeitung oder Ergänzung des GEG. Dieses regelt bereits heute, wann und wie energetische Maßnahmen bei Sanierungen verpflichtend werden – etwa im Fall einer umfangreichen Dach- oder Fassadensanierung oder bei Austauschmaßnahmen an technischen Anlagen.
Wichtige Punkte im GEG-Kontext:
- Sanierungspflichten bei Änderung signifikanter Gewerke: Wird etwa ein Dach oder eine Fassade grundlegend überarbeitet, gelten energetische Mindeststandards, die eingehalten werden müssen – ein typischer Fall, in dem ein energetischer Gutachter gefragt ist.
- Neue Heizsysteme und erneuerbare Energien: Bereits jetzt schreibt das Gesetz vor, dass neue oder erneuerte Heizsysteme bestimmte Effizienz- oder Energiequellen-Standards erfüllen müssen – beispielsweise ein hoher Anteil erneuerbarer Energien.
Mit der EPBD-Umsetzung bis Mai 2026 werden weitere nationale Anforderungen folgen, wobei die konkrete Ausgestaltung in Deutschland noch politisch abgestimmt wird. Dies bedeutet für Gutachter: Ihre Expertise ist gefragt, wenn es darum geht, die neue nationale Rechtslage in der Praxis anzuwenden und in belastbare Gutachten zu transferieren.
Folgen für die Bewertungs- und Gutachterpraxis
Für Ihre tägliche Tätigkeit ergeben sich aus diesen Entwicklungen mehrere Kerneffekte:
- Strategische Effizienzbewertungen werden Standard: Energie- und Sanierungskennzahlen sind nicht nur informative Werte, sondern müssen bewertet, eingeordnet und im Kontext der künftigen Pflichten interpretiert werden.
- Sanierungs-Roadmaps und Empfehlungen werden Teil vieler Gutachten: Eigentümer werden verstärkt nach konkreten Handlungsempfehlungen fragen.
- Rechtliche Absicherung und Dokumentation wird wichtiger: Die Akzeptanz und Nachvollziehbarkeit von Gutachten in gerichtlichen oder verwaltungsrechtlichen Kontexten hängt stärker an klar definierten Effizienz- und Sanierungsstandards.
Diese Verschiebung der Bewertungslandschaft bedeutet für Sie zugleich eine große Chance: Wenn Sie sich frühzeitig mit den neuen Standards vertraut machen und Ihre Methoden darauf aufbauen, werden energetische Bewertungen und Sanierungsanalysen eines der wichtigsten Leistungsfelder Ihrer Gutachtertätigkeit im Jahr 2026 und darüber hinaus sein.
5. EU-Richtlinie EPBD und nationale Umsetzung — Chancen & Risiken für Gutachter
Die EU-Energy Performance of Buildings Directive (EPBD 2024/1275) bildet den langfristigen Rahmen für Energie- und Sanierungsanforderungen in Europa – auch für Deutschland. Bis Ende Mai 2026 müssen die EU-Mitgliedstaaten diese Richtlinie in nationales Recht überführen, einschließlich verbindlicher Effizienz- und Sanierungsziele sowie Instrumente zur Bewertung und Dokumentation von Gebäuden.
Was die EPBD für Gutachter bedeutet
Die EPBD zielt darauf ab, den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen von Gebäuden drastisch zu reduzieren und den Gebäudebestand langfristig klimaneutral zu machen. Sie umfasst unter anderem:
- die Einführung harmonisierter Energieeffizienz-Zertifikate und modernisierte Energieausweise, die EU-weit einheitlich gelten müssen;
- die Festlegung von Mindestenergie-Performance-Standards (MEPS) für Neubauten und bestehende Gebäude, die schrittweise verschärft werden;
- die Verpflichtung zu Renovierungs- und Sanierungsplänen mit klar definierten Zielen zur Effizienzsteigerung;
- langfristige Pfade zur Transformation des Gebäudebestands in emissionsfreie Gebäude bis 2050;
- sowie zusätzliche Aspekte wie Lebenszyklus-Betrachtungen und Renovierungspässe, die künftig noch stärker in Energie- und Sanierungsbewertungen einfließen werden.
Diese Vorgaben sind nicht bereits direkt für einzelne Gebäude verbindlich, sondern müssen in nationales Recht – etwa durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) – übernommen werden.
Chancen für Gutachter
Für Baugutachter ergeben sich aus der EPBD-Umsetzung wichtige Chancen:
- Erweiterung des Leistungsportfolios: Gutachten werden noch stärker durch energetische Bewertungen, Lebenszyklusanalyse und Sanierungs-Roadmaps geprägt – ein Feld mit wachsendem Beratungsbedarf.
- Strategische Gutachten gefragt: Da MEPS-Kriterien und Energieeffizienz-Ziele künftig häufiger wirtschaftliche Entscheidungen beeinflussen (z.B. Kauf, Sanierungsinvestitionen oder Fördermittel-Anträge), steigt der Bedarf an fundierten, zukunftssicheren Bewertungen.
- Expertise wird sichtbarer: Sie tragen dazu bei, Eigentümer, Investoren und Behörden durch den Transformationsprozess zu begleiten – vom Energieausweis bis zur strategischen Sanierungsplanung.
- Daten- und Digitalisierungsfelder öffnen sich: Harmonisierte Energieausweise, digitale Gebäude-Register oder Renovierungspässe schaffen neue Aufgabenfelder für Gutachter, die Daten interpretieren, verknüpfen und bewerten.
Risiken & Herausforderungen
Neben Chancen gibt es auch Hürden und Risiken, die Sie im Blick behalten sollten:
- Gesetzliche Unsicherheiten: Da die konkrete Umsetzung der EPBD in Deutschland erst bis 2026 erfolgt, besteht aktuell noch Unsicherheit, welche konkreten nationalen Anforderungen gelten werden und wie diese ausgestaltet sind.
- Komplexere Bewertungsverfahren: Mit der Ausweitung auf Lebenszyklus-Betrachtungen oder strengere Effizienzstandards wird die fachliche Komplexität von Gutachten zunehmen – eine klare Herausforderung für Ihre Methodik und Tools.
- Wettbewerbsdruck: Da auch Energieberater und technische Planer diese neuen Anforderungen beherrschen müssen, steigt der Wettbewerbsdruck. Qualität, Spezialisierung und fachliche Positionierung werden für Sie wichtiger denn je.
Fazit dieses Abschnitts
Die EPBD 2024 und ihre bevorstehende nationale Umsetzung 2026 sind mehr als nur ein neues Gesetz: Sie sind ein Motor für die Weiterentwicklung des Sachverständigenwesens im Bereich Energie und Bau. Wer sich frühzeitig fachlich positioniert, findet in den kommenden Jahren nicht nur ein erweitertes Marktfeld, sondern übernimmt auch eine zentrale Rolle in der Energiewende, Sanierungsstrategie und nachhaltigen Bewertungspraxis.
6. Praxiswissen: Werkzeuge, Prüfverfahren und Bewertungsmethoden 2026
Im Jahr 2026 reicht die Rolle des Baugutachters weit über das klassische Ermitteln von Schäden und Bauzuständen hinaus: Energetische Bewertung, Effizienzanalysen, dynamische Simulationen und digitale Tools sind zu zentralen Instrumenten Ihrer alltäglichen Arbeit geworden. Dabei spielen standardisierte Methoden, Software-Werkzeuge und neue Indikatoren eine entscheidende Rolle, weil sie die Grundlage für belastbare Gutachten schaffen – insbesondere im Kontext der neuen EU-Energy Performance of Buildings Directive (EPBD 2024/1275) und ihrer Umsetzung in nationales Recht.
Energieausweis-Berechnung und Effizienzbewertung
Der klassische Energieausweis bleibt ein wichtiges Werkzeug – doch die Anforderungen wachsen:
- Die harmonisierte EU-Skala mit Effizienzklassen (z.B. A bis G) wird bis 2026 europaweit eingeführt und erfordert eine präzise Bewertung der Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes.
- Neben Heiz- und Warmwasserbedarf fließen zunehmend Primärenergie- und CO2-Werte in die Bewertung ein, die auf standardisierten Rechenverfahren fußen.
Hierzu bedienen sich Gutachter etablierter Bilanzierungsstandards und Normen wie der DIN-V-18599 bzw. ihrer Weiterentwicklungen, die detaillierte Berechnungen aller Energieflüsse im Gebäude erlauben.
Smart-Readiness-Indicator (SRI)-Bewertung
Ein neues Prüfverfahren, das durch die EPBD stärker in den Fokus rückt, ist der Smart Readiness Indicator (SRI):
- Der SRI bewertet, wie gut ein Gebäude intelligente Technologien nutzt – etwa zur Optimierung von Energieverbräuchen, zur Netzintegration oder zur Verbesserung des Nutzerkomforts.
- EU-Toolkits zur SRI-Bewertung unterstützen Gutachter dabei, verschiedene Szenarien zu simulieren und Effizienzgewinne digital abzubilden.
Praxisnutzen: Sie können nicht nur den aktuellen Energiezustand bewerten, sondern auch zeigen, wie sich mit Technologie-Investitionen Energieeffizienz, Kosten und Komfort verbessern lassen – ein Wettbewerbsvorteil in der Beratung.
Gebäudesimulations-Software zur Leistungsanalyse
Moderne Software-Tools ermöglichen detaillierte dynamische Simulationen von Gebäuden – weit über statische Energiekennzahlen hinaus:
- Simulationen wie mit IDA-ICE helfen, den Innenraumkomfort, Heiz- und Kühlverhalten sowie den Energieverbrauch über Jahresverläufe zu analysieren.
- Solche Tools sind besonders wichtig bei komplexen Bestandsgebäuden, denkmalgeschützten Objekten oder bei Sanierungsvarianten mit zahlreichen Variablen.
Lebenszyklus- und Emissionsanalysen
Die EPBD erweitert den Bewertungsfokus zunehmend auf den Lebenszyklus von Gebäuden, also nicht nur den Betrieb, sondern auch die verkleideten Emissionen und gesamte Umweltwirkung eines Gebäudes.
Werkzeuge und Methoden für diese ganzheitliche Bewertung gewinnen an Bedeutung – sei es für eine nachhaltige Investitionsentscheidung oder zur Einordnung in neue nationale Anforderungen.
Portfolio- und Quartiersbewertung
Fortgeschrittene Energy-Assessment-Tools erlauben inzwischen die Bewertung nicht nur einzelner Gebäude, sondern ganzer Quartiere oder Portfolios. Solche Tools setzen Standardwerte für verschiedene Gebäudetypen, berücksichtigen Cluster-Effekte und liefern einen Gesamtüberblick über Energie- und CO2-Kennzahlen.
Das ist besonders für kommunale Auftraggeber, Wohnungsbaugenossenschaften oder institutionelle Investoren relevant – und eröffnet Ihnen als Gutachter neue Beratungsfelder.
Praxis-Checkliste: Bewertungsmethoden 2026
| Bewertungsmethode | Einsatzbereich | Nutzen für Gutachter |
| Energieausweis-Berechnung (A–G) | Klassische Effizienzbewertung | Relevante Grundlage für Verkauf, Vermietung & Sanierung |
| Smart Readiness Indicator (SRI) | Intelligenz & Effizienz | Differenzierung im Gutachten, Zukunftstechnologien |
| Dynamische Gebäudesimulation | Komplexe Gebäudeanalysen | Exakte Verbrauchs- & Komfortprognosen |
| Lebenszyklus-Analyse | Nachhaltige Bewertung | Ganzheitliche Emissionsbewertung |
| Portfolio-Tools | Quartier/Portfolio | Strategische Planung & Beratung |
Fazit dieses Abschnitts
Die Praxis 2026 verlangt von Baugutachtern nicht nur solides Grundlagenwissen, sondern auch den sicheren Umgang mit digitalen Tools und standardisierten Bewertungsverfahren. Wer diese Werkzeuge beherrscht, liefert nicht nur korrekte Ergebnisse, sondern auch wertvolle strategische Empfehlungen, die Eigentümern dabei helfen, gesetzliche Anforderungen, Sanierungsziele und wirtschaftliche Entscheidungen optimal miteinander zu verbinden.
7. Digitale Tools & KI im Gutachteralltag — Zukunft oder schon Standard?
Das digitale Zeitalter ist längst im Berufsalltag von Baugutachtern angekommen – und Künstliche Intelligenz (KI) sowie digitale Werkzeuge werden bis 2026 nicht nur ein „nice to have“, sondern vielfach ein Standard sein, um effizient, präzise und wettbewerbsfähig zu arbeiten. Während früher viele Aufgaben manuell erfolgten, übernehmen heute Software-Assistenten, KI-gestützte Analysen und vernetzte Tools zunehmend Routine- und Datenintensivaufgaben, so dass Gutachter ihre Expertise noch besser in wertschöpfende Beratung und Qualitätsgutachten investieren können.
Warum digitale Tools & KI jetzt so wichtig sind
Die Anforderungen an Gutachten – gerade im Bereich Energieeffizienz, Sanierungsplanung und Bewertung – steigen kontinuierlich. Gleichzeitig wächst die Menge an Daten, Normen, Vorschriften und technischen Informationen, die in einem Gutachten berücksichtigt werden müssen. Digitale Tools helfen dabei, Daten schneller zu erfassen, zu analysieren und sicher zu dokumentieren – und das bei gleichzeitig hoher Qualität und Nachvollziehbarkeit.
Einige Bereiche, in denen digitale Tools & KI bereits heute einen Unterschied machen:
- Dokumenten- und Aktenanalyse: KI-basierte Plattformen können große Mengen von Akten, Verträgen und technischen Unterlagen analysieren und strukturiert aufbereiten – etwa bei der Vorbereitung komplexer Gutachten.
- Automatisierte Berichtsvorbereitung: Moderne Software kann erste Entwürfe von Standard-Textpassagen oder Vorlagen generieren und so den Zeitaufwand für die Erstellung umfangreicher Gutachten deutlich reduzieren.
- Projekt- und Mängelmanagement: Tools wie spezialisierte Apps oder Plattformen unterstützen Sie dabei, Termine, Dokumente, Fotos und Mängelanalyse an einem Ort zu verwalten – und dadurch Überblick und Effizienz zu erhöhen.
- Fotodokumentation & KI-Bildanalyse: KI kann visuelle Daten aus Baustellenfotos oder 360°-Rundgängen auswerten und erste Hinweise auf mögliche Schäden oder Abweichungen liefern – ein Zeit- und Qualitätsvorteil bei der Bestandsaufnahme vor Ort.
KI-Plattformen und spezialisierte Software für Baugutachter
Ein Beispiel für kommende Lösungen sind spezialisierte KI-Plattformen, die genau für die Bedürfnisse von ö.b.u.v. Bausachverständigen und freien Baugutachtern entwickelt werden:
So kündigt sich mit Baugutachter.AI eine End-to-End-KI-Plattform an, die viele Routineaufgaben automatisieren soll – von der KI-gestützten Dokumentenanalyse über Foto-Dokumentation bis hin zur Fallverwaltung und automatisierten Gutachtenerstellung auf Knopfdruck. Dabei bleibt der Gutachter stets in der Verantwortung, während Routine- und Strukturarbeiten ausgelagert werden.
Solche Tools sind nicht dazu gedacht, Ihre fachliche Kompetenz zu ersetzen – vielmehr stützen sie Sie dabei, Ihre Zeit auf wertschöpfende Aufgaben zu konzentrieren und gleichzeitig die Anzahl der Fälle zu erhöhen, die Sie qualitativ hochwertig abarbeiten können.
KI im Praxisalltag – Mehr Effizienz, mehr Präzision
KI-Assistenzsysteme und digitale Werkzeuge erhöhen nicht nur die Effizienz, sondern verbessern auch die Standardisierung von Prozessen, die Qualität der Ergebnisse und die Nachvollziehbarkeit von Gutachten. Sie helfen beispielsweise bei:
- Intelligenter Recherche: KI-Assistenten können relevante Normen, Urteile oder Fachartikel schneller als manuelle Suche finden.
- Strukturierter Fotodokumentation: Digitale Erfassung, automatische Sortierung und intelligente Schlagwortvergabe spart Zeit vor Ort und am Schreibtisch.
- Effizientem Workflow: Projektmanagement-Tools bringen Dokumente, Aufgaben und Versionen zusammen und machen Doppelarbeit überflüssig.
Risiken & Herausforderungen digitaler Tools
Natürlich bringt die Digitalisierung auch Herausforderungen mit sich:
Datenschutz, Datensicherheit und DSGVO-Konformität spielen eine große Rolle, gerade wenn sensible Bau- und Vertragsdaten verarbeitet werden. Zudem gilt: Technologie hilft, ersetzt aber nicht Ihr fachliches Urteilsvermögen. Sie bleiben der Entscheider – die Tools liefern nur fundierte Unterstützung.
Fazit dieses Abschnitts
Digitale Tools und KI sind 2026 kein Zukunftsthema mehr, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Prü- und Analyseprozesses eines modernen Baugutachters. Wer diese Technologien sinnvoll nutzt, arbeitet effizienter, präziser und mit klaren Wettbewerbsvorteilen gegenüber klassischen Arbeitsweisen und kann gleichzeitig sein Leistungsspektrum erweitern.
8. Qualifikation & Weiterbildung — Anforderungen an Baugutachter heute
Die Anforderungen an Baugutachter entwickeln sich 2026 weiter — fachlich, juristisch und technologisch. Parallel dazu steigt die Bedeutung fundierter Qualifikation, kontinuierlicher Weiterbildung und aussagekräftiger Zertifizierungen, um als Sachverständiger gegenüber Auftraggebern, Behörden oder im Streitfall vor Gericht überzeugend auftreten zu können.
Grundlegende Qualifikationen für Baugutachter
In Deutschland ist die Berufsbezeichnung „Sachverständiger“ rechtlich nicht geschützt, d.h. formal darf sich prinzipiell jede Person so nennen — aber die fachliche Legitimation basiert auf Qualifikation und Erfahrung, denn sonst kann ein Gutachten rechtlich angefochten oder als nicht belastbar angesehen werden.
Für eine seriöse Tätigkeit als Baugutachter gilt üblicherweise:
- Fachliche Grundausbildung: Ein abgeschlossenes Studium im Bauingenieurwesen, Architektur oder verwandten Feldern, oder eine solide Handwerks- und technische Ausbildung (z.B. Meister, Techniker im Bau- oder Baunebengewerbe) bilden die Basis.
- Mehrjährige Berufserfahrung: Die praktische Erfahrung im Bau- oder Immobilienbereich ist essenziell, damit Sie Standards, Baumängel, Bauprozesse und technische Zusammenhänge sicher bewerten können.
- Sachkunde-Nachweis: Dieser wird häufig durch Lehrgänge, Prüfungen oder Zertifizierungen erbracht, die Ihre Fähigkeiten festigen und belegen.
Insbesondere für den Bereich energieeffiziente Bewertung, Sanierungskonzepte oder GEG-Gutachten wird zusätzliches Fachwissen erwartet — das über die klassische Schadensbewertung hinausgeht.
Weiterbildung und Zertifizierungen — heute wichtiger denn je
Qualifikation endet nicht mit dem ersten Abschluss. In einem sich schnell wandelnden Markt — Stichwort: Energieeffizienz, EPBD-Umsetzung, digitale Tools — ist ständige Weiterbildung ein strategischer Erfolgsfaktor. Dazu gehören:
- Fachseminare & Lehrgänge zur Gutachtenerstellung: Diese vermitteln praxisorientiertes Wissen zu Recht, Technik, Bewertung und Berichtswesen.
- Zertifizierungen nach anerkannten Standards: Zertifikate wie jene nach DIN EN ISO/IEC 17024 stärken Ihre Glaubwürdigkeit bei Auftraggebern und Gerichten und markieren Sie als Experten mit nachweislicher Qualifikation.
[Tipp: sehen Sie hierzu auch: Gutachterzertifizierung bei EWIVS] - Spezialisierte Fortbildungen — z.B. zu energieeffizienter Sanierung, energiebezogenen Bewertungsverfahren oder digitalen Analyse-Tools — sind 2026 essenziell, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.
Das Angebot des DGuSV als Weiterbildungsplattform
Ein starker Partner für Ihre kontinuierliche Qualifikation ist der Weiterbildungs- und Seminarbereich beim DGuSV – Deutscher Gutachter und Sachverständigen Verband. Dort finden Sie eine breite Palette an Seminaren, Fachkursen und praxisnahen Modulen, die speziell auf Gutachter- und Sachverständigenarbeit zugeschnitten sind — von klassischen Gutachtentechniken über Baumängelbewertung bis zu spezifischen Themen wie Energieeffizienz oder Recht.
Zertifizierungen als Wettbewerbsvorteil
Eine solide Zertifizierung, z.B. durch akkreditierte Zertifizierungsstellen (etwa nach DIN EN ISO/IEC 17042), schafft Vertrauen – insbesondere wenn Auftraggeber rechtlich belastbare Gutachten erwarten. Zertifizierungen zeigen, dass Sie nicht nur fachlich kompetent sind, sondern Ihre Methoden, Bewertungskriterien und Dokumentationen auch professionellen Standards entsprechen.

Abb.: EWIVS Zertifizierungsstelle – Ihre Zertifizierungsexperten, Quelle: https://www.ewivs.com/
Praxis Tipp: Viele Gutachter kombinieren eine solide Grundqualifikation (Studium oder Meister/Techniker) mit themenspezifischen Zertifizierungen und regelmäßigen Fortbildungen — so bleiben sie fachlich am Puls aktueller Entwicklungen und sichern sich einen Wettbewerbsvorteil im Markt.
9. Marktchancen 2026: Beratung, Bewertung & neues Geschäftsfeld Energieeffizienz
Das Jahr 2026 eröffnet für Baugutachter weit mehr als nur neue Pflichten und Aufgaben – es bedeutet Wachstum, Erweiterung des Leistungsportfolios und neue Einnahmequellen. Die zunehmende Bedeutung der energieeffizienten Bewertung und Sanierungsberatung macht Sie zu einem gefragten Experten in einem dynamischen Marktumfeld.
Steigende Nachfrage nach energiebezogenen Gutachten
Mit der Umsetzung der EU-Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) und der Einführung einheitlicher Effizienzstandards steigen die Anforderungen an die energetische Bewertung von Gebäuden. Eigentümer müssen verstärkt wissen, welche Effizienzklasse ihr Gebäude zugeordnet wird, wie der energetische Zustand einzuschätzen ist und welche Sanierungsmaßnahmen wirtschaftlich sinnvoll wären. Das schafft eine deutlich höhere Nachfrage nach fundierten Gutachten. Die EPBD stärkt den Stellenwert von Energieausweisen und Effizienzanalysen als entscheidende Informationsgrundlage für Verkauf, Finanzierung oder Sanierungsentscheidungen.
Chancen für Sie: Sie können Ihr Angebot um spezialisierte Energie- und Effizienzbewertungen erweitern, die weit über klassische Zustandsberichte hinausgehen und erheblichen Mehrwert für Auftraggeber bieten.
Beratungsleistungen zur Sanierungsplanung
Ein neues Feld ergibt sich in der energetischen Sanierungsberatung: Immer mehr Eigentümer suchen nicht nur den Energiezustand ihres Gebäudes, sondern konkrete Empfehlungen, wie dieser verbessert werden kann – inklusive Wirtschaftlichkeitsanalysen, Kostenschätzungen und Fördermittelauswahl.
Insbesondere bei Sanierungsfahrplänen, Lebenszyklusanalysen und Effizienzsteigerungs-Strategien können Sie als Gutachter Ihre Kompetenz ausspielen. Diese Beratungen schaffen ein starkes Zusatzgeschäftsmodul: Energetische Sanierungs-Roadmaps, die technische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte verbinden.
Immobilienbewertung mit Energie-Fokus
Auch im Bereich der klassischen Immobilienbewertung ergeben sich neue Chancen: Energieeffizienz wird zunehmend Werttreiber bzw. Werthemmer. Effiziente Gebäude erzielen in vielen Fällen höhere Marktwerte und geringere Betriebskosten – ein „Green Premium“ –, während ineffiziente Gebäude einen sogenannten „Brown Discount“ erfahren können.
Ein Gutachter mit energiebezogener Bewertungsexpertise liefert hier besonders aussagekräftige Wertgutachten für Verkäufer, Käufer und Finanzierer. So wird Energieeffizienz zu einem entscheidenden Faktor in der Immobilienanalyse.
Fördermittelberatung und Effizienzprogramme
Parallel zu den gesetzlichen Anforderungen gibt es in Deutschland weiterhin umfangreiche Förderprogramme für energieeffiziente Sanierungen – z.B. die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) oder verschiedene regionale Zuschüsse.
Viele dieser Programme setzen eine fachliche Begleitung durch qualifizierte Experten voraus. Das bedeutet: Ein Gutachter kann nicht nur analysieren, sondern auch Fördermittelberatung anbieten, Antragsprozesse begleiten und die Förderfähigkeit von Maßnahmen bewerten – ein gefragter Service mit zusätzlichem Umsatzpotenzial.
Spezialisierte Nischenmärkte & Zukunftsfelder
Weitere Perspektiven können sich eröffnen durch:
- Quartiers- oder Portfoliogutachten: Analyse ganzer Gebäudegruppen oder Bestände, z.B. für Investoren oder Wohnungsbaugesellschaften.
- Lebenszyklus- und Nachhaltigkeitsbewertungen: Ganzheitliche Betrachtung von Bauwerk und Betrieb über Jahrzehnte.
- Gutachten zur Smart-Building-Performance oder CO2-Bilanzierung: Insbesondere im gewerblichen Segment wachsen Marktanforderungen an intelligente Gebäudebewertungen.
Zusammengefasst: 2026 bietet Baugutachtern nicht nur mehr Pflichtaufgaben, sondern vor allem attraktive Wachstumsfelder, die mit qualitativ hochwertigen, energiebezogenen Leistungen verbunden sind. Wer diese Chancen erkennt und sein Angebot entsprechend ausrichtet, kann sich als hochspezialisierter Experte in einem zukunftsträchtigen Segment positionieren.
10. Praxisbeispiele: Typische Gutachtenfälle 2026 mit energetischem Schwerpunkt
In der Praxis 2026 sind energetische Fragestellungen und Sanierungs-Bewertungen in vielen Gutachten bereits Standard-Bausteine. Im Folgenden sehen Sie konkrete Beispiele aus dem Gutachteralltag, wie energetische Bewertung und Sanierungsanalyse miteinander kombiniert werden und welche Rolle Sie als Baugutachter dabei spielen.
Fallbeispiel 1: Bestandsanalyse eines Mehrfamilienhauses mit Sanierungsfahrplan
Situation: Ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren soll verkauft werden. Der Eigentümer will nicht nur den energetischen Zustand ermitteln, sondern auch sinnvolle Sanierungsmaßnahmen inklusive Kosten-Nutzen-Analyse.
Aufgabe des Gutachters:
- Erhebung der Gebäudedaten (Baujahr, Dämmzustand, Haustechnik etc.).
- Erstellung eines Energieausweises nach den neuen Effizienzklassen A–G gemäß EPBD-Standard.
- Berechnung des aktuellen Energiebedarfs und der CO2-Emissionen.
- Ausarbeitung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) mit Schritt-für-Schritt-Maßnahmen, Zeitschiene und Wirtschaftlichkeitsberechnung.
Ergebnis: Der Eigentümer erhält eine klare Orientierung, wo die größten Effizienzpotenziale liegen und wie sich diese wirtschaftlich realisieren lassen. Gleichzeitig dient der iSFP als Grundlage für eventuelle Förderanträge und energetische Investitionsentscheidungen.
Nutzen für Sie: Dieses Fallbeispiel zeigt, wie Sie klassische Zustandsbewertung mit energetischer Sanierungsberatung verbinden — ein Bereich mit steigender Nachfrage.
Fallbeispiel 2: Bewertung einer Gewerbeimmobilie nach MEPS-Standard
Situation: Ein öffentlicher Auftraggeber plant den Verkauf oder die Umnutzung eines älteren Bürogebäudes. Laut EU-Minimum Energy Performance Standards (MEPS) kann es notwendig sein, Effizienz-Schwellenwerte einzuhalten oder entsprechende Modernisierungen vorzunehmen.
Aufgabe des Gutachters:
- Dokumentation des Gebäudebestands mit Fokus auf energetische Kennwerte.
- Vergleich der Ist-Effizienz mit den künftig geltenden MEPS-Kriterien (z.B. Mindestenergieverbrauch oder CO2-Emissionen).
- Bewertung der Sanierungsnotwendigkeit und wirtschaftlichen Folgen verschiedener Modernisierungsvarianten.
Ergebnis: Der Gutachter liefert eine Entscheidungshilfe für den Auftraggeber, ob das Gebäude sofort sanierungsbedürftig ist oder die Effizienz-Ziele auch ohne größere Umbauten eingehalten werden können.
Nutzen für Sie: In MEPS-Kontexten werden Ihre Gutachten speziell dann relevant, wenn sie rechts- und wirtschaftlich belastbare Aussagen zu Effizienz-Standards geben.
Fallbeispiel 3: Energieverbrauchssimulation zur Bewertung von Sanierungsvarianten
Situation: Im Auftrag eines Investors soll ein Wohngebäude energetisch optimiert werden, ohne dabei den Charakter des Gebäudes zu verlieren.
Aufgabe des Gutachters:
- Einsatz von dynamischer Gebäudesimulations-Software zur Analyse verschiedener Sanierungsszenarien (z.B. Fenster- und Fassadendämmung, Heizsystem-Austausch).
- Ermittlung, wie sich jede Maßnahme auf den jährlichen Energiebedarf und CO2-Emissionen auswirkt.
Ergebnis: Der Gutachter kann verschiedene Szenarien gegenüberstellen und darstellen, welche Kombination von Maßnahmen den größten Effizienz- und Wertzuwachs erbringt.
Nutzen für Sie: Solche simulationsbasierte Bewertungen gewinnen an Bedeutung, wenn Sanierungsentscheidungen nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich optimiert werden müssen.
Fallbeispiel 4: Bewertung eines energieautarken Baus im Neubau- oder PlusEnergie-Segment
Situation: Ein Investorenprojekt will ein Plusenergie-Wohnhaus realisieren – ein Gebäude, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht (z.B. durch Photovoltaik und effiziente Haustechnik).
Aufgabe des Gutachters:
- Überprüfung, ob die Nullemissions- oder Plusenergie-Ziele tatsächlich erreichbar sind.
- Validierung der technischen Planungen, Energiekennwerte und Finanzierbarkeit.
Ergebnis: Ihre Bewertung zeigt, ob das Projekt die Effizienz-Ansprüche erfüllt, und schafft damit Sicherheit bei Finanzierung, Förderung und Vermarktung.
Nutzen für Sie: Solche Gutachten verbinden Energieeffizienz mit Wirtschaftlichkeits- und Marktwertanalyse — ein Bereich, der zunehmend gefragt ist.
Praxis-Fazit
Die Fallbeispiele zeigen klar: Energetische Gutachten sind 2026 kein Nischengebiet mehr, sondern ein zentraler Bestandteil des Gutachteralltags. Sie verbinden klassische Bauwerksbewertungen mit neuen Effizienz- und Sanierungsanforderungen und schaffen echten Mehrwert für Auftraggeber – sei es im Verkauf, der Sanierungsplanung, der Investitionsentscheidung oder der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben.
11. Fazit — Strategien für erfolgreiche Baugutachter im Jahr 2026
Das Jahr 2026 steht für Baugutachter nicht nur für neue gesetzliche Anforderungen und Pflichten, sondern vor allem für Chancen, Wachstum und Weiterentwicklung. Die Kombination aus EPBD-Umsetzung, verschärften energetischen Standards, Sanierungsbewertung und der steigenden Nachfrage nach ganzheitlicher, energiebezogener Beratung schafft ein breites Feld, in dem qualifizierte Sachverständige eine Schlüsselrolle einnehmen können.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren 2026 auf einen Blick
1. Fachliche Breite und Tiefe: Erfolgreiche Gutachter verstehen nicht nur den klassischen Bauzustand, sondern verknüpfen diesen mit Energieeffizienz-Analysen, Sanierungsplanung und Bewertungsverfahren, die 2026 essenziell für belastbare Gutachten sind.
2. Praxis-Tools & digitale Kompetenz: Der routinierte Einsatz von Software-Tools, Simulationen und KI-gestützten Analysen erhöht Effizienz, Qualität und Reproduzierbarkeit Ihrer Ergebnisse und verschafft einen klaren Wettbewerbsvorteil.
3. Rechtliche Sicherheit und Methodik: Ein fundiertes Verständnis der nationalen Umsetzung von EPBD-Zielen, der aktuellen GEG-Praxis sowie der relevanten Normen (etwa DIN-V-18599 oder ISO-Standards) ist unabdingbar für rechtlich tragfähige Gutachten.
4. Kunden- und Marktverständnis: Eigenständige Sanierungsfahrpläne, wirtschaftliche Bewertungsszenarien und Fördermittelberatung schaffen für Auftraggeber echten Mehrwert und machen Sie als Gutachter zu einem gefragten Partner in Entscheidungsprozessen.
Marktperspektiven 2026
Baugutachter, die sich als Experten für energiebezogene Bewertungen und Sanierungsberatung positionieren, können sich in einem wachstumsstarken Marktumfeld etablieren. Energieeffizienz ist nicht länger ein „Nice-to-have“, sondern ein entscheidender Faktor für Immobilienbewertung, Eigentümerentscheidungen und rechtliche Anforderungen – und Sie stehen im Zentrum dieser Entwicklung.
Kurz gesagt: 2026 ist das Jahr, in dem Gutachter ihre klassische Rolle erweitern und zu strategischen Beratern mit Zukunftskompetenz werden können – fachlich solide, digital versiert und rechtlich abgesichert.
Warum eine DGuSV-Mitgliedschaft Sie nach vorne bringt
Eine Mitgliedschaft beim Deutschen Gutachter und Sachverständigen Verband (DGuSV) lohnt sich für Sachverständige und Baugutachter aus vielen Gründen: Sie erhalten eine bundeseinheitliche Zertifizierung sowie einen international gültigen Sachverständigenausweis, der Ihre Qualifikation sichtbar macht und Vertrauen bei Auftraggebern schafft. Zudem profitieren Sie von einem starken Netzwerk, erleichterter Akquise über die Deutsche Gutachterauskunft sowie zahlreichen Fortbildungs-, Informations- und Serviceangeboten im Mitgliederbereich.
Darüber hinaus gibt es exklusive Vorteile in Kooperation mit der EWIVS Certification GmbH, z.B. Rabatte auf Personenzertifizierungen nach ISO-17024 – einem international anerkannten Qualitätsstandard für Sachverständige. Solche Zertifizierungen stärken Ihre Marktposition, schaffen Vertrauen bei Kunden und öffnen Türen zu neuen Auftraggebern.
In einem dynamischen Umfeld mit steigenden Anforderungen an Energieeffizienz und Sanierungsbewertungen kann eine DGuSV-Mitgliedschaft Ihnen helfen, sichtbarer, kompetenter und erfolgreicher im Markt aufzutreten.
12. FAQ – Häufige Fragen rund um „Baugutachter 2026“
1. Welche gesetzlichen Änderungen beeinflussen die Arbeit von Baugutachtern 2026 besonders?
Die Umsetzung der EU-Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) in deutsches Recht führt zu neuen Effizienzstandards, Sanierungsanforderungen und einer harmonisierten Energieausweis-Skala, die Gutachter bewerten und in Gutachten einbeziehen müssen.
2. Was bedeutet die neue Energieeffizienzskala A–G für Gutachten?
Sie ersetzt die bisherigen nationalen Effizienzklassen und standardisiert europaweit die Bewertung des Energiezustands von Gebäuden, was eine präzisere Einordnung und Vergleichbarkeit in Gutachten ermöglicht.
3. Wie profitieren Gutachter von digitalen Tools und KI?
Digitale Werkzeuge und KI-Assistenten erleichtern Datenanalyse, Dokumentation, Simulationen und Berichtserstellung – sie verbessern Effizienz und Qualität Ihrer Bewertungen und schaffen Zeit für komplexere Aufgaben.
4. Sind Sanierungsfahrpläne künftig Teil vieler Gutachten?
Ja: Energetische Sanierungs-Roadmaps mit konkreten Maßnahmen, Wirtschaftlichkeitsanalysen und Zeitplänen werden häufig nachgefragt – sie helfen Eigentümern, gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Ziele zu vereinen.
5. Welche Qualifikation braucht ein Baugutachter 2026?
Neben einer soliden technischen Ausbildung (z.B. Bauingenieurwesen, Handwerk) gewinnen Zusatzqualifikationen in Energieeffizienz, Bewertungsmethoden und ggf. ISO-Zertifizierungen (z.B. ISO-17024) an Bedeutung.
6. Wie kann eine ISO-17024 Zertifizierung meine Gutachtertätigkeit stärken?
Diese international anerkannte Personenzertifizierung bestätigt Ihre Fachkompetenz, schafft Vertrauen bei Kunden, Behörden und Gerichten und hebt Sie im Wettbewerbsumfeld hervor.
7. Welche zusätzlichen Leistungen bietet der DGuSV für Mitglieder?
Zu den Vorteilen zählen u.a. ein bundeseinheitlicher Sachverständigenausweis, Zertifizierungsurkunden, Einträge in Gutachterverzeichnisse, Fortbildungs- und Informationsangebote sowie Akquiseunterstützung.
